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Drei „TIP“-WissenschaftlerInnen stellen technische Lösungen für Teilhabe auf Bethel-Konferenz vor

„Leben mit Technik“ – unter diesem Motto hatte die Von Bodelschwinghsche Stiftung Bethel am 30.10. über 300 MitarbeiterInnen und KlientenInnen der Stiftung zur „NRW Großgruppenkonferenz“ nach Schwerte geladen. Diskutiert – und vor allem praktisch erprobt – werden sollten verschiedene Technologien, die das Leben erleichtern und Teilhabe unterstützen sollen. Mit drei Bühnen waren WissenschaftlerInnen des Clusters „Technologie, Inklusion, Partizipation (TIP)“ der Fakultät für Rehabilitationswissenschaften prominent vertreten. Die Kooperation zwischen der Fakultät für Rehabilitationswissenschaften und der sfs steht hierbei für Praxisnähe und aktuelle Forschungsschwerpunkte und präsentierte diese den TeilnehmerInnen.

Bethel-Konferenz_Sozialforschungsstelle_Dortmund_Rehabilitationswissenschaften_Inklusion

Dr. Susanne Dirks (Rehabilitationstechnologie), Hanna Linke und Dr. Bastian Pelka (Sozialforschungsstelle der TU Dortmund) zeigten aktuelle Forschungsergebnisse und sehr praktische Anwendungsfelder von „Leben mit Technik“.

Unter dem Motto „Anfassen erlaubt – technische Hilfsmittel erleben“ präsentierten Dr. Susanne Dirks und Sandra Theimann-Grey aktuelle technische Hilfsmittel. Im Mittelpunkt standen dabei moderne Roboter, die für die Unterstützung in der Rehabilitation und in der Betreuung eingesetzt werden können. Großer Beliebtheit erfreute sich die Robbe "Paro", die mit ihrem niedlichen Aussehen und ihrem emotional ansprechenden Verhalten die Herzen aller Zuhörer eroberte. Auch der programmierbare Begleitroboter ‚MiRo‘, der die sensorischen Fähigkeiten und Verhaltensweise von verschiedenen Tieren in sich vereint, stieß auf großes Interesse.

Als sehr beeindruckend wurde die Präsentation des Exoskeletts der Firma EksoBionics erlebt. Dieses Exoskelett wird im Unterschied zu anderen Modellen ausschließlich zur Therapie eingesetzt und verfügt über eine beachtliche Anzahl von verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten. Zwischendurch wurde immer wieder angeregt über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten und Gefahren von technischen Hilfsmitteln diskutiert. Im Rahmen der Workshops sind viele Ideen entstanden, wie man die vorhandenen Technologien in gemeinsamen Forschungs- und Anwendungsprojekten einsetzen und evaluieren kann und die fruchtbare Kooperation zwischen der TU Dortmund und der Von Bodelschwinghschen Stiftung fortsetzen kann.

In einen weiteren Workshop stellte Hanna Linke gemeinsam mit Lara Schawe von Bethel regional die Ergebnisse aus dem Projekt SELFMADE – Kommunikation und Selbstbestimmung durch inklusive Maker Spaces (selfmadedortmund.de) vor. Im Zuge dieses Projektes wurden Möglichkeiten erarbeitet den 3D- Druck so zu gestalten, dass die MitarbeiterInnen der AWO in einem Maker Space im Dortmunder Büro für Unterstütze Kommunikation individuelle Hilfsmittel „ausdrucken“ können. Angefangen bei der Gestaltung der Räumlichkeiten, sowie dem Druckprozess und der Drucker selbst stand ein Höchstmaß an Barrierefreiheit sowie das „selber machen“ im Fokus. Im Rahmen der Großgruppenkonferenz wurden mit den ZuhörerInnen Ideen diskutiert an welchen Stellen mit dem 3D-Druck erstellte Produkte die jeweiligen Lebens- und Arbeitswelten verändern und verbessern können. 3D-Drucker in Aktion zu sehen und Druckergebnisse anfassen zu können führte zu einem hohen Interesse den Maker Space in Dortmund einmal zu besuchen

In einem dritten Beitrag stellte Dr. Bastian Pelka (sfs) den Gästen der Konferenz einen Ansatz vor, mit dem sich Einrichtungen auf neue Technologien einstellen und diese kritisch prüfen können. Viele Menschen nehmen neue Technologien zunächst als Bedrohung wahr: Bekannte Situationen ändern sich, neue Geräte wollen bedient und neue Gefahren gemeistert werden. Diese Einstellung haben auch viele Menschen, die im Sozialwesen arbeiten. Neue Technologien werden aus Furcht vor negativen Anwendungsfällen häufig lange gemieden. Dabei macht die fortschreitende Digitalisierung nicht vor der Sozialwirtschaft halt. Unsere Gesellschaft unterliegt permanentem technologischem Wandel. Häufig lässt sich ein Muster beobachten: Neue Technologien (z.B. Vernetzung) finden zuerst in der Wirtschaft Anwendung ("Industrie 4.0"), dann in privilegierten Privathaushalten ("Alexa"). Bis diese Technologien in Einrichtungen und pädagogische Konzepte der Wohlfahrt Einzug finden, dauert es oft sehr lange. Doch während die Vorteile neuer Technologien (z.B. das Ausdrucken von Fahrkarten) nur kompetenten AnwenderInnen zu Gute kommen, treffen die Nacheile (der Wegfall von Fahrkartenschaltern) meist alle Menschen. „Wenn wir als sozial und pädagogisch arbeitende und denkende Menschen neue Technologien nicht mitgestalten, werden sie ohne uns gestaltet“, fasst Dr. Bastian Pelka ein wichtiges Motiv seines Forschungsfeldes „digitale Inklusion“ zusammen.

Doch die Frage lautet: Wir kann die Sozialwirtschaft aktiv Technik mitgestalten? Zu dieser Frage diskutierten die Konferenzgäste und erarbeiteten Lösungen für die Einsatzstellen. Ein Ergebnis des Workshops lautet: Zunächst müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit pädagogischem Sachverstand neue Technologien aus einer rehabilitationswissenschaftlichen Perspektive reflektieren. Gemeinsam mit Mitarbeitenden und KlientenInnen von Bethel.regional erarbeitete Dr. Pelka den Ansatz des „Technologie-Monitorings“: Dieser empfiehlt MitarbeiternInnen der Wohlfahrt, zu neuen Technologien Stellung zu beziehen und neue Technologien zu überprüfen: Für welche Zielgruppen und welche pädagogischen Ziele eignet sich eine Technologie? Wo sind Gefahren? Wie müssen Anwendungsszenarien aussehen? Und woher beziehen wir diese Technologien, Anwendungskompetenzen und benötigte Ausstattung? Die Ergebnisse des Workshops sollen in weiteren Veranstaltungen ausgearbeitet und in Handlungsempfehlungen ausformuliert werden. 

Die drei TIP-WissenschaftlerInnen ziehen von der Veranstaltung ein positives Fazit: Es sei vor allem gelungen, die große Bandbreite der TIP-Angebote von Forschung über Beratung bis zur konkreten Schulung an neuen Technologien zu vermitteln.