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Vortrag zum Thema „Experimentelle soziale Praktiken als Treiber des sozialen Wandels. Überlegungen zu einer Theorie sozialer Innovation“ 20.2.2014 am Institut für Technikfolgenabschätzung u. Systemanalyse in Karlsruhe

Der Vortrag von Jürgen Howaldt / Ralf Kopp / Michael Schwarz wurde im Rahmen des Workshops „Experimentelle Gesellschaft – das Experiment als wissenschaftliches Dispositiv?“
des Instituts für Technikfolgenabschätzung u. Systemanalyse in Karlsruhe als Kurzbeitrag zum Themenblock „Laboratorien der Gesellschaft“ gehalten.

itas_kit_logo Inhaltsangabe:

Indem die Gesellschaft selbst zum Ort von Innovationen wird, nehmen auch die Experimentierprozesse zu, die nicht allein in der Sonderwelt der wissenschaftlichen Laboratorien, sondern in der Gesellschaft stattfinden. Es treten neue Akteure, neue Formen der Kombination von Wissensgenerierung und -anwendung, des sozialen Lernens, von intermediären Arrangements und Multi-Level-Governance-Strukturen, von experimenteller, partizipativer Politik und Zukunftsgestaltung ins Zentrum des Innovationsgeschehens. Dementsprechend hat sich ein Verständnis des Innovationsprozesses durchgesetzt, für das die Öffnung hin zur Gesellschaft zentral ist. Dies verweist auf und erfordert die Entwicklung einer bislang ausstehenden gesellschaftstheoretisch fundierten Konzeption sozialer Innovation. Dabei geht es zentral um die Eigendynamik gesellschaftlicher Situationen, Selbstbestimmung sozialer/lokaler Eigenbereiche, Aktivierung der Gesellschaft, spontan und spezifisch greifende Initiativen öffentlicher Problembearbeitung, die sich durch ihren Situationsbezug legitimieren, sowie um entsprechende soziale Experimente. Die Verfolgung dieser Zugänge macht es erforderlich, die Transformation von sozialen Ideen und Initiativen auch jenseits technologischer Veränderungen als eine eigenständige Innovationsform ins Zentrum gesellschaftlicher Selbststeuerungs- und Gestaltungsprozesse und einer darauf bezogenen „wahrhaft experimentellen Wissenschaft“ (Tarde) zu stellen. Indem Gabriel Tarde die Praktiken der Nachahmung – und ihre Gesetze – in den Mittelpunkt seiner Theorie gesellschaftlicher Entwicklung stellt, gibt die damit verbundene Mikrofundierung gesellschaftlicher Phänomene wichtige Anstöße für eine integrative Theorie der Innovation. Sie lässt entdecken, wie soziale Phänomene, Zustände, Gebilde zustande kommen und sich wandeln. Der Schlüssel dafür ist das akribische Aufspüren von sozialen Erfindungen und Innovationen und der damit verbundenen sozialen Praktiken ihrer Nachahmung.

Der Kurzbeitrag versucht, den sozialtheoretischen Ansatz von Gabriel Tarde für die analytische Bestimmung und Einordnung sozialer Innovationen und eine darauf abgestimmte wissenschaftliche Perspektive fruchtbar zu machen. Mit Rückgriff auf das mikro- und praxissoziologische Programm von Gabriel Tarde lässt sich zeigen, dass soziale Innovationen die soziale Praxis verändern und damit zu den eigentlichen Treibern des sozialen Wandels werden.