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Neue Formen der Wissensproduktion

Thematische Einführung

Für ein Institut anwendungsnaher Forschung und Beratung wie die sfs ist das Thema "Neue Formen der Wissensproduktion" grundsätzlich von zentraler Bedeutung. Hohe Professionalität im Blick auf die innerwissenschaftlichen Diskurse wie auch in praktischen Anwendungsfeldern bei der meist transdisziplinären Bearbeitung konkreter Lösungsvorschläge sind gefordert. Die Debatte um die Herausbildung der Wissensgesellschaft fokussiert dieses schon immer gestellte Problem doppelter Professionalität neu. In dieser Debatte wird die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Wissenschaft und Praxis neu justiert und die gewohnten Arbeits- und Produktionsweisen der Wissenschaft werden zunehmend problematisch. Zentrales Kennzeichen einer „neuen Wissensordnung“ sind ihr zufolge erhöhte Anforderungen an die Nützlichkeit und Verwertbarkeit auch des sozialwissenschaftlichen Wissens. Verstärkt wird diese Tendenz durch eine spürbare Beschleunigung des Tempos, in dem Wissen produziert, verändert und entwertet wird.

Von diesen veränderten Anforderungen sind die Sozialwissenschaften in besonderer Weise betroffen. Einerseits erhöht sich mit der wachsenden Bedeutung von Wissen in allen gesellschaftlichen Teilbereichen der Bedarf auch an sozialwissenschaftlichem Wissen und Expertise deutlich. Andererseits ist ihre praktische Relevanz von einem technologischen Standpunkt aus eher begrenzt. Ins Zentrum rückt die Kompetenz zur konkreten Fallanalyse, die mit dem konkreten Gegenstandsbereich verwoben ist. Gerade diese strukturelle Eingebundenheit in ihren Gegenstandsbereich ist eine Quelle für die Sozialwissenschaften, ihren Expertenstatus im Vergleich mit den Naturwissenschaften glaubhaft zu behaupten. Die Zukunft der Disziplin wird in dieser Sicht entscheidend davon abhängen, ob es ihr gelingt, ihre Praxisrelevanz unter den veränderten Bedingungen unter Beweis zu stellen. Hierzu ist die Neubeschreibung der spezifischen (Dienstleistungs-)Funktion der Sozialwissenschaften jenseits des wissenschaftszentrierten Wissenschafts-Praxis-Verständnisses dringend erforderlich. Diesen veränderten Anforderungen werden sich die Sozialwissenschaften nur stellen können, wenn sie nicht nur ihre Kommunikationsstrukturen mit der Gesellschaft überdenken, sondern wenn sie zugleich die eigene Produktionsweise verändern. Sie können aber nicht einfach in der Rolle des Wissensproduzenten und Dienstleisters in je konkreten Fallbezügen handeln, sondern diese Funktion nur ausfüllen, wenn sie zugleich ihre Leistungsfähigkeit als Wissenschaft mit jeweiligen spezialdisziplinären Bezügen in der Auseinandersetzung mit den gewachsenen praktischen Herausforderungen nutzen und weiterentwickeln.

 

Aufgrund ihrer vielfältigen Erfahrungen und spezifischen Leistungsfähigkeit als außeruniversitäre Forschungseinrichtung ist das Themenfeld für die Sozialforschungsstelle von besonderer Bedeutung. Insofern fühlen wir uns zu einer vertiefenden theoretischen Bearbeitung des Themenfelds herausgefordert. Die sfs hat sich hier in der jüngeren Vergangenheit schon erfolgreich positioniert, will ihre Anstrengungen zu einer stärkeren theoretischen Fundierung anwendungsorientierter Forschung im Kontext des innerwissenschaftlichen Diskurses aber noch intensivieren. Um zu fundierten Urteilen im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit und Leistungsgrenzen neuer Formen sozialwissenschaftlicher Wissensproduktion zu kommen, sind zudem weitere empirische Analysen dringend erforderlich. Dabei geht es um eine dreifache Perspektive: Vergleichend zu untersuchen sind die neuen Formen sozialwissenschaftlicher Wissensproduktion in den unterschiedlichen Praxiskontexten. Dabei ist deren Leistungsfähigkeit im Vergleich zu traditionellen Formen anwendungsorientierter Sozialforschung zu beurteilen. Zudem sind Erfahrungen aus dem Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften mit zu berücksichtigen, um vor diesem Hintergrund die Spezifik der Problemlagen in den Sozialwissenschaften erfassen zu können. Ein besonderes Augenmerk soll den Voraussetzungen, konzeptionellen Grundlagen und Methoden neuer Formen sozialwissenschaftlicher Wissensproduktion in inter- und transdisziplinären Netzwerken gewidmet werden. Die derzeit diskutierten Konzepte implizieren eine Neudefinition des Verhältnisses von Wissenschaft und Praxis. Dabei werden zum einen epistemologische Fragen sehr grundsätzlich neu aufgeworfen und zum anderen das Verhältnis von Wissenschaft und Politik thematisiert.

Zu fragen ist generell, ob sich neue Formen der Wissensproduktion als Chance für gemeinsame Lernprozesse zwischen Sozialwissenschaften und Praxis betrachten lassen, die es erlauben, die z. T. offenbar dysfunktional werdenden Kommunikationsbarrieren durch neue Kooperations- und Kommunikationsformen zu überwinden, ohne die Autonomie der beteiligten gesellschaftlichen Funktionsbereiche zu gefährden.

Die theoretischen Überlegungen zu neuen Formen sozialwissenschaftlicher Wissensproduktion sind inzwischen unverzichtbarer Bestandteil des Forschungskonzeptes des Instituts geworden, welches auf eine konzeptionelle Verzahnung von Forschung, Beratung und Transfer zielen. Herzstück dieser entstehenden neuen Form der Wissensproduktion ist der Aufbau eines disziplin- und institutionenübergreifenden Projektnetzwerkes, in dem die gemeinsam definierten Probleme von den beteiligten Akteuren aus Wissenschaft und Praxis in einem intensiven Kooperationszusammenhang bearbeitet werden.

Im Mittelpunkt dieses Projekttyps steht die Produktion wissenschaftlicher Erkenntnisse in Verbindung mit der Lösung praktischer Probleme zur Bewältigung von Innovationsprozessen in Unternehmen, Regionen, Politik etc. Thematisch geht es u. a. um die Entwicklung und Erprobung neuer Arbeits- und Organisationsformen in Unternehmen, den Aufbau von interorganisationalen Kooperations- und Lernnetzwerken sowie die Unterstützung von institutionellen Wandlungsprozessen in regionalen Netzwerken. Dieser neue Projekttyp verweist damit auf eine neue hybride Form von Wissen, welche auf die Verbindung von wissenschaftlich gesichertem und praktisch relevantem Wissen zielt.

 

Ausgewählte Projekte:

  • TransferNetz Ruhr – Beschäftigung durch Wissenstransfer
  • Erfolgreiches Wissensmanagement in Kooperations- und Kompetenznetzwerken

Ausgewählte Publikationen:

  • Sozialwissenschaftliche Organisationsberatung. Auf der Suche nach einem spezifischen Beratungsverständnis
  • Forschen - Lernen - Beraten. Der Wandel von Wissensproduktion und -transfer in den Sozialwissenschaften
  • Neue Formen sozialwissenschaftlicher Wissensproduktion in der Wissensgesellschaft. Forschung und Beratung in betrieblichen und regionalen Innovationsprozessen
  • Die Praxis des Wissensmanagements

 

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